Die Entwicklung des Fußballs im Stötteritzer Sportverein

(Auszug aus der Chronik des Vereins)

Wie aus der Geschichte des deutschen Fußballs zu entnehmen ist, wurde der Fußballsport offiziell erst im Jahre 1909 in den Arbeiter-Turner-Bund (ATB) aufgenommen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde die Sportart „Fußball“ bis auf wenige Ausnahmen nur in bürgerlichen Sportvereinen betrieben.1907 kam es zu den ersten Gründungen von Fußballabteilungen der Arbeitersportler in Leipzig. Obwohl der Fußballsport innerhalb der Turnvereine keine all zu großen Sympathien genoss, wurde im Jahr 1911 im damaligen Arbeiter-Turnerbund Stötteritz auch eine Fußball-Abteilung gegründet. In dieser Zeit bestanden im Leipziger Ortsteil Stötteritz zwei Fußball-Clubs, der „F.C. Saxonia“ – genannt „Sacco“ – und der „F.C. Herta“.
Im Jahr 1911 schloß sich der FC Saxonia mit 2 Männermannschaften dem 1892 gegründeten ATB Stötteritz an. Die Bezeichnung war: „Fußballabteilung Saxonia des Arbeiter-Turner-Bundes Stötteritz“. Als Sportbekleidung wurde weiße Hose und schwarz-weiß gestreifter „Schwitzer“ gewählt. Städtische Spielplätze standen den Arbeitersportlern nicht zur Verfügung. Als Spielort wurde die brach liegende Schwarzackerwiese in Stötteritz genutzt. Nach dem Anschluß des „F.C. Herta“ wurde dann unter dem Namen Abteilung Fußball der Arbeiter –Turner-Bundes Stötteritz.
Nach der Unterbrechung durch den 1. Weltkrieg erlebte die Entwicklung der Arbeiter-Fußball Bewegung ab 1919 einen großen Aufschwung, so auch im Ortsteil Leipzig – Stötteritz. Mit der 1920 vollzogenen Umbildung zum „Deutschen Arbeiter Turn- und Sportbund“ (ATSB) und der Bildung einer selbstständigen Sparte „Fußball“ mit ca. 80.000 Mitgliedern wurden auch die organisatorischen Voraussetzungen zur Durchführung überregionaler Meisterschaften geschaffen.

Am 11. Juni 1920 wurde in Leipzig das erste Endspiel um die Bundes Meisterschaft im Arbeiter-Fußball-Sport vor 45.000 Zuschauern ausgetragen. Der Sportverein Fürth besiegte den Sportclub Süden-Forst mit 3:0. Die zweite Bundesmeisterschaft wurde am10. Juli 1921 in Dresden Löbau ausgetragen. Leipzig-Stötteritz – Nordiska Berlin: 3:0. Die dritte Bundesmeisterschaft fand am 24.Juli 1922 anlässlich des 1. Arbeiter- Turn –und Sportfestes in Leipzig vor 60.000 Zuschauern statt. Leipzig Stötteritz – BV Kassel 06 4:1. Vierte Bundesmeisterschaft am 01.Juli 1923.
Leipzig Stötteritz – Alemannia 22 Berlin: 1:0 (Protest der Berliner) - Wiederholungsspiel am 8.7.1923 Alemannia 22 Berlin – Leipzig Stötteritz 1:2 vor nur 3.700 Zuschauern.
Stötteritz war somit drei Mal in Folge Deutscher Bundesmeister im Arbeiter-Fußball.

Im  Jahr 1924  erfolgte  der Zusammenschluss  des  Arbeiter-Turner-Bundes  und der Freien Turnerschaft  Stötteritz  zum VfL  Südost, wobei sich  der  Fußballsport zu  den attraktivsten Sportarten im Verein entwickelte. Bis zum Jahre 1933 spielte die 1.Männermannschaft  des VfL  Leipzig  Südost  immer in der höchsten Spielklasse des ATSB.

Fußball – Länderspiele im Südoststadion

Auf  Grund der großen  Erfolge  der  Fußballer und der wachsenden Zuschauer- und Mitglieder-zahlen auch in den anderen Abteilungen des Vereins wurde 1924 mit dem Umbau des Südost-Stadions begonnen. Im  Mai 1925  wurde  das  neue  Stadion  vor über  5.000 Mitgliedern und Zuschauern feierlich eingeweiht. Durch den 1927 erfolgten Umbau der Gaststätte sowie Anbau eines Saales und einer Wohnung verbesserten sich auch die Möglichkeiten für die Gestaltung des Vereinslebens.

Der Fußballsport prägte das Ansehen des Vereins – und der Name „VfL Leipzig Südost“ hatte in Deutschland und im Ausland einen guten Namen. Der Fußball entwickelte sich immer mehr zum Breitensport, was auch eine der Hauptaufgaben des Arbeitersports in der damaligen Zeit war.Auf  Grund  der  rasanten  Entwicklung des  Vereins  stellte  der Rat der Stadt Leipzig weiteres Gelände ( Teile des jetzigen Ostfriedhofes) für die Erweiterung der Sportanlage zur Verfügung. Ab 1929 / 30 verfügte der Verein über vier Großspielfelder. Im  Jahr  1932  spielten  insgesamt 18 Fußball – Mannschaften  im  Südost-Stadion,  darunter 10  Männermannschaften, 1 Altersmannschaft, 4 Jugend- und 3 Knaben- Mannschaften. Nach dem Umbau war das Südost- Stadion auch für Großveranstaltungen geeignet. Bis 1933  war  das  VfL-Südost Stadion  eine  der größten und  traditionsreichsten Sportstätten des Arbeitersports in Deutschland.Im Südost-Stadion fanden vier ATSB Fußball- Länderspiele statt:

02.07.1927  Deutschland -  Sowjetunion 2:8  (ca. 25.000 Zuschauer )

10.08.1929  Deutschland -  England       4:4

30.08.1930  Deutschland -  Finnland      4:0

26.12.1932  Deutschland -  Polen  4:1  (EM-ATSB-Qualifikationsspiel vor ca.16.000 Z.)

In der Fußball-Ländermannschaft des Deutschen Arbeiter-Turn- und Sportbundes (ATSB), die zwischen 1924 und 1932  insgesamt  79  Länderspiele  austrug, waren nachstehende Spieler aus Stötteritz vertreten:

-    Richard Schmidt  (der „Zieher“ 18 x  zwischen 1925 -1929),
-    Walter Greczelius  (18x /1928 -1932 als Verteidiger) einziger Leipziger beim 3:2 Endspielsieg der Österreicher zur zweiten
      Arbeiter-Olympiade 1932  im Wiener Prater Stadion
-    Kramer  (9x /1925-1927),  Paul Schmidt  ( „Kohn“ 6x /1925),
-    Heiner Krause (4x /1927/28),
-    Genther  (2x /1926),  Hönemann  (2x /1926),  Pohle  (1x /1927)
-    und Gebhardt  (1x /1927)

Fußball nach 1945

Im Oktober 1945 wurde unter Leitung ehemaliger Arbeitersportler der organisierte Sportbetrieb in der Sportgemeinschaft „ SG Stötteritz“ wieder aufgenommen. Somit  gehörten  die „Schtrietzer“ mit  zu  den  ersten  Vereinen  in  der Stadt Leipzig, in denen kurz  nach  Ende  des  2. Weltkrieges  Möglichkeiten zur sportlichen und geselligen Betätigung geschaffen worden sind. Das erste Fußballspiel fand  im Oktober 1945 zwischen der SG Stötteritz  und der SG Südost – Probstheida auf dem noch einigermaßen bespielbaren Platz neben dem Südostbad statt. Die SG Stötteritz gewann das Spiel 3:0.

Die ersten Sektionsleiter Fußball waren Bruno Schmidt, Arno Rackwitz und Ernst  Klette (1952).Im  Frühjahr 1946 begann  der Aufbau einer Knaben- und Jugendmannschaft unter Leitung der Sportfreunde Werner Wagner und Fritz Selle. Training  und  Wettkämpfe für  den  Nachwuchs  erfolgten  auf dem ehemaligen Postsportplatz (jetzt SV Brehmer).

Bereits 1946 konnte auch eine gute „Alt- Herren- Mannschaft“ gegründet werden. Das Training für die 1. Männermannschaft übernahm der „Internationale“ Alfred Reichel. Diese Funktion übergab er 1947 kurzzeitig an Fritz Gödicke.  Nach  Rückkehr von Alfred Kunze aus der Kriegsgefangenschaft übernahm dieser das Amt des Trainers. In  den  Jahren 1949 / 50 zählte  der Verein  fast  1.900 Mitglieder, davon ca. 1.000 Jugendliche.Das  durch  Bomben- und  andere  Kriegseinflüsse  verwüstete  Stadion war in vielen freiwilligen Arbeitseinsätzen  wieder  in  einen  für  den  Sportbetrieb geeigneten  Zustand  versetzt worden,wobei noch auf vieles verzichtet  werden musste. Aber es ging wieder aufwärts mit den Stötteritzer Fußballern !

Bereits  im  September 1946  wurde  de r Leipziger Spielbetrieb aufgenommen. Am  Ende der ersten Nachkriegs-Saison belegte die SG Stötteritz in Staffel II mit 17:11 Punkten Rang 3. Die  Stötteritzer erreichten  in der zweiten Saison nach 14 Spielen in Staffel II mit 13:15 Punkten den 5. Tabellenplatz. Erster Stötteritzer Spieler in der Leipziger Stadtauswahl am  07.04.1946  beim  3:2  Sieg gegen  Magdeburg  war Gerhard Clauß.

Die Mannschaft der SG Stötteritz  von 1947

v.l. hinten: Rudi Hecker, Gerhard Glauß, Herbert Klette, Rudolf Krause, Werner Rötling,Sponsor Kurt Schliedermeier
kniend: N.N., Jochen Menz, Harry Pfütze, Willi Heim, Peter Schulze und Lothar Schröder

Größter Erfolg der Stötteritzer in dieser Zeit nach dem 2. Weltkrieg war ein 4. Platz im Sachsen-Pokal des Jahres 1948 unter Leitung des Trainers Alfred Kunze.

 

1.Männer 1965

1.Männer Motor Südost 1955

1.Männer SG Stötteritz 1950

Die Aufstiegsmannschaft von Motor Stötteritz 1955/56

v.l.n.r.
Betreuer Hans Wiede, Herbert Kahner, Heiner Neubert, Wolfgang Vogel, Peter Franeck, Horst Henning, „Pat“ Walther, Günther Gradetzky, Tilo Spranger, Günter Reichel, Heinz Koschewski
Im Hintergrund:Trainer  Arnold Rauhut

Mitte der 50 Jahre bestanden im Südost-Stadion mit Motor Stötteritz und Motor Südost zwei Sportvereine. Nach  der Vereinigung beider Vereine im Jahr 1956 zur BSG Motor Stötteritz spielte die 1. Mannschaft ab 1957 in der 1. Kreisklasse und die 2. Mannschaft in der 2. Kreisklasse. Als Sektionsleiter Fußball wurde Herbert Kahner gewählt. Trainer der 1. Mannschaft  wurde  der  DHfK – Absolvent Arnold (Arno) Rauhut. Im Verlaufe  der  60er und 70er Jahre  dehnte  sich  die Spitzenposition im Nachwuchs-Fußballs in  der  Breite  der  Mannschaften  bis  in  den  Bezirk aus und wurde bis zur gesellschaftlichen Wende im Jahr 1989 erhalten.

Besondere Verdienste daran hatten  solche Nachwuchs Übungsleiter wie Bernd Koschewski, Werner Langer, Michael Richter, Hans Thielemann und Lutz Zureck Für  die  hervorragende  Nachwuchsarbeit  ( 9 Fußball-Nachwuchs-Mannschaften ) wurde  die Sektion  Fußball  in  den  Jahren  1978  und  1982  mit  dem  Titel „Vorbildliche  Sektion  des Deutschen Fußball-Verbandes der DDR“ ausgezeichnet. In  der  Saison 1969 / 70  wurde  die 1. Männer- Mannschaft  Kreismeister  –  verpasste Jedoch als Dritter der Relegation den Aufstieg in die Bezirksklasse. Erst  nach  der  Rückdelegierung einiger Spieler vom 1. FC Lokomotive Leipzig und beharrlicher Nachwuchsarbeit  gelang  1973  / 74  mit  Trainer  Rudi Hecker der  Aufstieg der 1. Mannschaft in  die Bezirksklasse (siehe Bild unten).

v.l.n.r. Sponsor Kurt Schniedermeier, Ulrich Wiske, Dietmar Petzold, Gert Rottstädt, Gerd Fregin, Uwe Mädel, Günter Baase, Henry Nestler (verdeckt), Rolf Katzer, Herrmann, Frank Krause, Steffen Merz, Thomas Ludwig, Christian Morenz, Lutz Franke, Andreas Kaule und Trainer Rudi Hecker.
Im Vordergrund: Mannschaftsleiter Tilo Spranger

In der Saison 1979 / 80  musste  diese Mannschaft nochmals den Weg in die Stadtliga antreten. Aber bereits  in  der nächsten Saison erfolgte mit Trainer Dietmar Petzold der Wiederaufstieg in die Bezirksklasse, die bis zur Saison 1990 / 91 gehalten werden konnte.
Mit der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten sowie der politischen, wirtschaftlichen und sportlichen  Neugestaltung  der  Gesellschaft,  gab  es  erneut  umfangreiche Probleme, die der Verein lösen musste. Die Mitgliederanzahl der Abteilung Fußball verringerte sich von 270 auf 119 Mitglieder. Durch den Wegfall der finanziellen Unterstützung des Tragerbetriebes „Fernmeldewerk Leipzig“ und  der  Finanzsituation  des  amtierenden  Vereinsvorstandes  betrug  der Finanzbestand der Abteilung Fußball vor Beginn der Saison 1990/91 noch 150.- DM. Damit war es nicht möglich, den Spielbetrieb für diese Saison aufzunehmen. Aber die Solidarität der Stötteritzer Spieler und Funktionäre war nicht verloren gegangen Durch ein  Darlehen  von 16 Spielern aus dem Männerbereich und Mitgliedern der Abteilungsleitung in Höhe  von  je 50,- DM  wurde  die erforderlichen Gebühren für die Aufnahme und Durchführung des Spielbetriebes  aufgebracht.Diese Darlehenssumme konnte bereits 1991 zurückgezahlt werden. Mit  Herbert  Kahner, Torsten Quaas, Bernd Aeugle, Jens Böttcher und Jürgen Zschocke sollen besonders  die Sportfreunde erwähnt  werden, die in dieser  schweren Zeit wesentlich zum Fortbestand der Abteilung Fußball beigetragen haben.Im Jahr  1990  wurden  8 Mannschaften  für  den  Spielbetrieb gemeldet,  davon 5 Nachwuchsmannschaften.

Die 1.Männermannschaft  und  die A-Jugend spielten in der Bezirksklasse; alle anderen Mannschaften in der Stadtklasse. Beide  Bezirksklasse-Mannschaften  stiegen  nach  der Saison 1991 / 92 in die Stadtklasse ab. Im Spieljahr 1994/95  wurde die 1. Mannschaft mit Trainer Rolf Katzer und Co-Trainer Andreas Bretschneider  Stadtmeister  und erreichte den Wiederaufstieg in die Bezirksklasse.

 

Mit Trainer Helmut Friedel und Co-Trainer Gert Sauer errang  die Mannschaft im Spieljahr 2002- 2003 den Staffelsieg, der zum Aufstieg in die höchste Spielklasse des Bezirkes berechtigte. In der Saison 2003 / 04  übernahmen Trainer Frank Pohl,  Co.-Trainer Gert Sauer und Mario Adametz als Betreuer diese von Helmut Friedel geformte Mannschaft. Nach ca. 80 Jahren setzten die Stötteritzer Fußballer durch den sofortigen Gewinn des BezirksMeistertitels wieder ein sportliches Achtungszeichen. Torschützenkönig  wurde  Steffen Kurtz und der ehemalige Bundesliga-Profi Markus Wulftange, der  sich  als  Veranstalter von Benefiz-Fußball-Turnieren besonders  um die Unterstützung von krebskranken Kindern verdient gemacht hat,  prägte zwei Jahre das  Niveau dieser Mannschaft.

Bezirksmeister 2003/04

v.l. stehend: Mario Adametz (Betreuer), Christian Kühn, Markus Wulftange, Ralf Karwatzky, Sven Mucke, Andreas Hagen, Can Poyrac, Roland Rabich, Sven Wisniewski, Frank Pohl  (Trainer), Gert Sauer  (Co.),
v.l. vorn: Benjamin Dittrich, Tobias Walter, Steffen Kurtz, André Adelinia, Marco Riedel, Vadim Beljawsky, Alexander Becker, Ronny Schuhmann – Es fehlte: Hardy Adametz

Nach  dem  Erringen  des  Bezirksmeister-Titels  wurde  in  den nächsten Spieljahren unter den Trainern Frank Pohl und  Helmut Friedel ständig Tabellenplätze im vorderen Drittel der Bezirksliga erspielt